Spiele Review "Twilight Struggle" für Android

Oktober 2, 2018 - Lesezeit: 4 Minuten

Worum geht es?

Das Spiel Twiligt Struggle ist ein Brettspiel, welches sehr lange die Rangliste bei boargamegeek angeführt hat. Es behandelt den Kalten Krieg, also den Konflikt zwischen den USA und der UdSSR der mit dem Ende des zweiten Weltkriegs (1945) begann und mit dem Fall der Berliner Mauer (1989) sein Ende nahm.

Die Zeit war geprägt von Propaganda, (atomarem) Wettrüsten und Stellvertreterkriegen, einem Wettstreit der Ideologien: Demokratie versus Sozialismus, freie Marktwirtschaft versus Planwirtschaft.

Diese Stimmung und Kernereignisse will das Spiel einfangen.

Zwei Spieler (USA und UdSSR) versuchen auf einer Weltkarte Macht und Einfluss auszuweiten. Das Spiel ist in mehrere Runden aufgeteilt. Innerhalb dieser Runden werden abwechselnd Karten ausgespielt, welche historische Ereignisse darstellen. Der Clou: Die meisten Ereignisse sind für eine der Seiten vorteilhaft, für die andere nachteilig. Es passiert fast dauernd, dass zum Beispiel der USA Spieler eine Karte ausspielt, welche dem Gegner einen Vorteil verschafft. Die Kunst besteht nun darin, den Schaden für sich zu minimieren.

Doch erstmal der Reihe nach.

Es geht, wie schon oben erwähnt, darum, in einzelnen Ländern auf dem Globus Einfluss zu nehmen und schließlich diese Länder unter seine Kontrolle zu bringen. Kontrollierte Länder bringen dem Spieler Punkte.

Die Länder kann man nun auf verschiedene Weise beeinflussen:

  • Einflusspunkte: Jede Karte hat Einflusspunkte. Diese können eingesetzt werden. Überschreitet der Einfluss in einem Land nun einen kritischen Wert, dann kontrolliert der Spieler das Land.
  • Staatstreich: Der Spieler kann seine Karte auch einsetzen um einen Staatsstreich herbeizuführen. Das geht meist schneller, als über EInflussnahme, hat aber den Nachteil, dass der Glücksfaktor höher ist. Ein gescheiterter Staatsstreich führt dazu, dass die Gefahr eines atomaren Kriegs steigt. Was das Spiel beenden würde.
  • Neuausrichtung: Ist etwas zwischen Staatsstreich und Einflussnahme. Es ist sanfter, aber auch glücksbasiert. Die Gefahr eines atomaren Kriegs besteht nicht.
  • Kartenevent ausspielen: Jede Karte kann auch als Event ausgespielt werden. Die sind meist konkrete historische Ereignisse, die meist mehr Vorteile bieten, als der reine Einflusspunktewert. Die Ereignisse wandeln sich auch im Laufe des Spiels. Am Anfang gibt es Karten wie "Gründung der Nato", "Bau der Berliner Mauer". Gegen Ende des Spiels Karten wie "Mauerfall". Auch der Fokus der Kartenereignisse ändert sich im Laufe des Spiels. Am Anfang stehen eher der Konflikt in Europa (komunistische Satellitenstaaten) und Asien (Koreakrieg) im Fokus. Später kommt der Kampf um den nahen Osten, Afrika und Süd- und Mittelamerika dazu. Egal wie man die Karte ausspielt, ein gegnerisches Event wird immer ausgespielt.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Wertungspunkte über den Wettlauf ins All zu gewinnen.

Wie ist die Umsetzung?

Das Spiel ist gut umgesetzt. Auf Tablets oder als Steamvariante (PC, Linux, Mac) ist die Übersicht genial. Auf kleinen Smartphones allerdings wird die Lesbarkeit arg schlecht. Full HD und 5" Display sollten es schon sein. ANsonsten ist man mit zoomen und scrollen permanent beschäftigt. Aber es bleibt trotzdem spielbar.

Das Spiel gibt genügend Hinweise und Hilfen. Man kann nichts falsch machen, da nur Aktionen möglich sind, die per Spielregeln ausführbar sind.

Die Grafik ist sehr schön und die Aufmachung ist genial. Je nach Defcon Level (Bereitschaftsstatus der Streitkräfte, 5 bedeutet "Alles OK", 1 bedeutet "Atomkrieg wird ausgelöst") wird die Hintergrundmusik immer bedrohlicher. "Aufgelockert" wird die Stimmung durch Einblenden von Redeausschnitten damaliger Politiker (Stalin, Breschnew, Kennedy, etc).

Die Karten sind dem Originalbrettspiel nachempfunden.

Aktionen können bis zu einem gewissen Grad rückgängig gemacht werden.

Der Computergegner ist anspruchsvoll (für mich als Einsteiger), ich habe aber gehört, dass Fortgeschrittene diesen leich besiegen können. Ich merke selbst schon ein paar Anzeichen, wie er wohl "denkt" und nutze diese zu meinem Vorteil aus.

Allerdings gibt es die Möglichkeit auch gegen menschliche Kontrahenten zu spielen. Und da kann man mit einem Account spielen, egal ob man eine Android oder Steamversion hat. Beide werden über einen unabhängigen Account synchronisiert.

Warum es mir Spaß macht

Es ist eines dieser Spiele, die leicht zu lernen, aber schwer zu meistern sind. Das gute Tutorial führt gut ein und nach 2-3 Spielen weiß man, wie es funktioniert. Und obwohl die Karten jedesmal anders gemischt sind, muss man immer wieder nue überlegen, um das beste darauß zu machen.

Die Thematik finde ich auch sehr interessant und ich habe das eine oder andere tatsächlich dazu gelernt, da mich die Hintergründe der Eventkarten interessiert haben und oft auch eher für mich unbekannte Themen (Stichwort: Cambridge Five) angesprochen werden.

Wer sich für strategische Spiele, die einen Fokus auf Karten haben, interessiert sollte auf jeden Fall zuschlagen. Je nach System liegt der Preis zwischen 7,- und 10,- Euro.